Konzert 4: Sa 31. Aug. 20.00 Uhr

FORWARD TO THE ROOTS

Aki Takase "Tribute to W.C. Handy"
Matthew Shipp
Daniel Humair Group feat. Ellery Eskelin

Die japanische Pianistin Aki Takase geht mit ihrem "W.C. Handy-Projekt" respektvoll-respektlos an die Wurzel der Wurzeln: Mit einer hochkarätigen Band interpretiert sie Stücke, die am Anfang der Jazzgeschichte standen. Der Komponist und Kornettist W. C. Handy (1873-1958), der "Father of the Blues", schrieb über 70 Kompositionen, von denen viele zu Evergreens wurden. Seine bekannteste ist zweifellos der "St. Louis Blues" (1913), in dem sich der klassische Blues-Chorus mit spanisch-kreolischen Einflüsse trifft. Dass die quirlige Aki Takase die Evergreens gehörig munter putzt, ist nicht anders zu erwarten, zumal ihre Band ziemlich extravagant besetzt ist. Fred Frith, Nils Wogram und Paul Lovens haben ihre individuelle Klasse bisher vor allem in Free-Music Zusammenhängen hören lassen. Zu entdecken gilt es den deutschen Bassklarinettisten Rudi Mahall, der Aki Takase schon auf deren Eric Dolphy Tributalbum begleitet hatte.

Als Mitglied des David S. Ware Quartets ist Matthew Shipp anfangs der Neunziger Jahre bekannt geworden. In diesem Schmelzfluss aus Free Jazz und High Energy Music haben wir die Kaskaden, flirrenden Linien, abstrakten Entwürfe und abrupten Richtungswechsel des Pianisten kennen gelernt. Matthew Shipp, der schon mit fünf Jahren am Klavier sass und später Musik und klassisches Piano studierte, ist ein feinsinniger und eigensinniger Improvisator. Minimalistische Klarheit und dynamische Soundschichtungen schliessen sich bei ihm nicht aus. Blitzschnell können neue Ideen in ein grösseres Ganzes diffundieren. Monk, Bud Powell, Andrew Hill, Paul Bley und Cecil Taylor haben ihn ebenso inspiriert wie die Musik von Charles Ives, John Cage und Morton Feldmann. Sitzt Shipp einmal am Flügel, kann die Reise überall hingehen. An aufregenden Erlebnissen unterwegs wird es nicht mangeln. Auch in Willisau nicht.

Der diesjährige Willisau Auftritt des Daniel Humair Trios mit dem Special Guest Ellery Eskelin bringt eine reizvolle Begegnung zwischen den Generationen: Jazz mit Roots und zeitgenössischen Brechungen, in Drive gehalten von einem, der seit über 40 Jahren meisterlich die Grooves trommelt. Daniel Humair, 1938 in Genf geboren, ist Europas moderner Jazz-Drummer schlechthin. Er war schon als 20-jähriger in den Jazz-Clubs von Paris anzutreffen, wo er amerikanische Jazzer wie Lucky Thomson, Don Byas, Chet Baker, Kenny Dorham, Eric Dolphy oder Jacky McLean begleitete. Humair, der auch Kunstmaler ist und an der Filmmusik von "Last Tango in Paris" beteiligt war, hat seine Klasse als souveräner Rhythmus-Dompteur behalten – bis heute. Ende der Sechziger Jahre war er Mitglied in Phil Woods European Rhythm Machine, später spielte er unter anderem mit Joachim Kühn, Enrico Rava, Richard Galliano und Louis Sclavis.

Aki Takase p, Fred Frith g,synth, Rudi Mahall ts,cl, Nils Wogram tb, Paul Lovens dr

Matthew Shipp p

Daniel Humair dr, Marc Ducret g, Bruno Chevillon b, Ellery Eskelin ts,bcl

 

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